Elektroboot Kosten vs. Benzinmotor: Meine echte Amortisationsrechnung
Was kostet ein Elektroboot wirklich im Vergleich zum Benziner? Meine echte ePropulsion-Kostenrechnung mit ehrlicher Amortisationsanalyse.
TL;DR
- Die Kosten für einen ePropulsion Spirit 1.0 Evo liegen bei ca. 2.549 €, 850 € mehr als mein damals favorisierter Benzin-Außenborder (Tohatsu MFS 6 Sail Pro, 1.699 €).
- Bei meiner tatsächlichen Nutzung (rund 70 Motorstunden pro Saison) amortisiert sich dieser Aufpreis in knapp 4 Jahren bei Eigenwartung oder in gut 3 Jahren wenn eine Werkstatt den Benziner wartet.
- Die jährlichen Betriebskosten des Elektromotors: rund 7 €. Beim Benziner wären es rund 221 € pro Jahr für Kraftstoff und Wartung.
Die zwei Motoren im Vergleich
Die Elektroboot Kosten lassen sich am klarsten an zwei konkreten Motoren mit echten Preisen durchrechnen. Mich hat interessiert ob sich der Kauf überhaupt irgendwann rechnet.
Der ePropulsion Spirit 1.0 Evo ist ein 1-kW-Motor. Laut Herstellerangaben sind das ungefähr 3 PS. Zu dem Elektromotor gehört ein 1,2-kWh-Lithium-Akku, der zum Aufladen abgenommen werden kann. Motor und Akku werden zusammen verschickt. Die Reichweite ist damit auf das gebunden, was dieser eine Akku hergibt. Ich habe 2.549 € bezahlt.
Als Benziner habe ich den Tohatsu MFS 6 D SLSP Sail Pro für 1.699 € gewählt. Das ist etwas stärker als die 3 PS - eventuell vergleiche ich hier also Äpfel mit Birnen. Allerdings habe ich mal gehört, dass sich die 4-, 5- und 6-PS-Versionen von vielen Außenbordern dasselbe Motorgehäuse teilen. 6 PS gibt es also praktisch ohne Mehrgewicht gegenüber der 4-PS-Version. Noch wichtiger: Die „Sail Pro”-Ausführung hat einen Propeller, der auf den Segelbootbetrieb ausgelegt ist (guter Schub bei niedrigen Drehzahlen, brauchbarer Rückwärtsgang im Hafen). Zum Zeitpunk des Kaufes war dieser Sailpro also der Benziner meiner Wahl. Ein billigeren 4-PS-Standardaußenborder erschien mir wie der schlechtere Deal.
Also: 2.549 € gegen 1.699 €. 850 € Aufpreis für die elektrische Variante.
Übersicht Kosten: mein Elektromotor
Die Kosten für mein durch den Kauf enstandenes “Elektroboot” beginnen beim Kaufpreis: 2.549 €. Danach werden die laufenden Ausgaben ziemlich überschaubar.
Strom kostet in Deutschland rund 0,35 € pro kWh. Der Akku fasst 1,2 kWh — eine Vollladung kostet also etwa 42 Cent. Bei rund 70 Motorstunden pro Saison und einem realen Verbrauch von rund 300 W pro Stunde komme ich auf Stromkosten von ungefähr 7,35 € im Jahr.
Wartung: keine. Kein Ölwechsel, kein Impeller, kein Getriebeöl, kein Winterschutz. Der Motor kommt ins Wasser, läuft, kommt wieder raus. Das ist keine Schönfärberei über elektrische Zuverlässigkeit. Bürstenlose Elektromotoren haben schlicht keine der Verschleißkomponenten, die einen Viertakter im Rennen halten.
Übersicht Kosten: Benzinmotor
Kaufpreis: 1.699 €.
Der Tohatsu kommt mit einem externen 12-Liter-Tank. Bei geschätzten durchschnittlich 1,2 Litern pro Stunde im Hilfsmotobetrieb (Ein- und Ausfahren aus dem Hafen, Ankerplatz anlaufen, Flauten durchmotoren) würde ich bei 70 Motorstunden rund 84 Liter pro Saison verbrauchen. Beim durchschnittlichen Super-E5-Preis von 2,04 € pro Liter (Stand Juni 2026) macht das rund 171 € für Kraftstoff: etwa sieben Tankfüllungen à 24,48 €.
Geschätzte Kosten für die Wartung bei Eigendurchführung:
- Impeller einmal pro Saison: 25 € (Teile plus Versand)
- Motorölwechsel und Getriebeölwechsel: 10–15 €
- Zündkerze: rund 6 € amortisiert über zwei Saisons
- Kraftstoffstabilisator und Winterisierung: 9 €
Macht rund 50 € im Jahr an Teilen bei Eigenwartung. Die Arbeiten sind bei vorhandener Erfahrung eigentlich schnell gemacht. Sollte die Wartung von einer Werkstatt übernommen werden, würde ich die Kosten auf rund 125 € schätzen.
Jahresgesamtkosten: 221 € bei Eigenwartung, 296 € bei der Werkstatt. Kraftstoff plus Wartung.
Ab wann rechnet es sich?
Mein Elektromotor kostet mich rund 7 € im Jahr im Betrieb. Der vergleichbare Benziner käme auf 221–296 € pro Jahr. Die jährliche Ersparnis liegt bei rund 214 € (Eigenwartung) bzw. 289 € (Werkstatt).
Der Aufpreis, der sich amortisieren muss: 850 €.
- 850 € ÷ 214 € pro Jahr = 4,0 Jahre gegenüber dem selbstgewarteten Tohatsu
- 850 € ÷ 289 € pro Jahr = 3,0 Jahre gegenüber der Werkstattvariante
Ab diesem Punkt spart der Elektromotor jährlich über 200 € gegenüber dem, was ich sonst ausgegeben hätte.
Die zwei Stellschrauben, die die Zahlen am stärksten verschieben: Wie viel Gas man gibt (höherer Verbrauch schließt die Lücke schneller) und ob man den Benziner selbst wartet oder eine Werkstatt bezahlt.
Motorstunden sind der größte Hebel
Die Zahlen oben spiegeln mein tatsächliches Segeln wider: meistens unter Segel und wenig Motornutzung pro Ausfahrt. Meine Saison geht von ungefähr März bis November. Nehmen wir ein ähnlich großes Motorboot, dann natürlich ohne Segel: gleicher 6-PS-Außenborder, gleiches Muster mit zwei Ausfahrten pro Woche über 35 Wochen, aber jedes Mal drei Stunden Motorfahrt statt einer. Das ergibt 210 Motorstunden pro Jahr.
Für den Benziner kommen bei 1,2 L/h jetzt rund 252 Liter pro Jahr zusammen. Das sind ungefähr 514 € Kraftstoff, plus rund 50 € Wartung. Zusammen: rund 564 € pro Jahr. Beim Elektromotor belaufen sich die Kosten für die 210 Stunden bei 300 W auf rund 22 € pro Jahr an Strom.
Jährliche Ersparnis: rund 542 €. Gegen denselben Aufpreis von 850 € ergibt sich eine Amortisation von rund 1,6 Jahren. Auch wenn Benzinpreise ( und auch Strompreise) steigen und fallen können ist der größte Hebel die Nutzungsdauer des Motors. Der Aufpreis ist fix. Die jährliche Ersparnis wächst mit jeder Stunde, die der Motor läuft. Man könnte also sagen, dass die Frage nach Amortisation im Grundegenommen eine Frage anch Betriebsstunden sind.
Was ist eigentlich mit einem Solarpanel?
ePropulsion bietet ein Solarlade-Kit: ein Laderegler für rund 140–150 € und ein kompatibles Panel (100 bis 180 W) für 150–300 €, zusammen also rund 300–450 €. Meine gesamte Jahresstromrechnung liegt bei rund 7 bis 9 €. Das Argument über Stromkostenersparnis ist also bei meinem Verbrauchsniveau relativ dünn. Keine Solarinvestition amortisiert sich über eingesparte Stromkosten, wenn die Ausgangsgröße so klein ist.
Was Solar allerdings sinnvoll macht ist Ladeunabhängigkeit: Beim Ankern gibt es keine Steckdosen. Oder bei der Fahrt die Reichweite zu verlängern. Nützlich, aber kein Kostenargument. Es ist ein Komfort- und Reichweitenargument. Wer viele Nächte vor Anker verbringt, sollte das auf dieser Grundlage abwägen. Wenn du dich fragst, wie weit du mit einem Elektroboot kommen würdest, dann kannst du den Reichweiten-Rechner nutzen. Die Theorie zum Thema Reichweite kannst du hier nachlesen.
Fazit: Was jetzt also bei der Entscheidungsfindung helfen kann.
Wenn man mehr segelt als man motort (was für die meisten Segler zutrifft, die sich einen elektrischen Hilfsmotor kaufen), greift das Kostenargument für einen Elektromotor eher mittelfristig und nicht sofort. Bei meiner Nutzung liegt die Amortisation bei 3 bis 4 Jahren. Beim Kauf eines Benziners hier nochmal mein Rat: 4, 5 und 6 PS Benziner teilen sich oftmals das gleiche Gehäuse. Sollte man das nötige Kleingeld haben, erkauft man sich Sicherheitsreserven bei Strömung ohne sein Boot schwerer zu machen.
Jenseits der Tabellenkalkulation: Der Elektromotor ist leiser, es gibt keinen Kraftstoff, der im Boot herumstinkt oder über den Winter stabilisiert werden muss. Außerdem startet er immer zuverlässig. Das sind Unterschiede, die in keiner Amortisationstabelle auftauchen, aber bei jedem Ausfahren spürbar sind. Gerade in meinem Fall: Mein vorheriger Motor war eine 4 PS 2-Takt Diva, die nur Aus oder Vollgas kannte. Nicht gerade angenehm in der Benutzung.
Wenn man den Motor weit mehr als ein paar Stunden pro Woche nutzt, kippt die Wirtschaftlichkeit schneller zugunsten von Elektro. Wenn man selten motort und der 850-€-Aufpreis eine echte Belastung ist, ist der Benziner die rationale kurzfristige Entscheidung. Das ist auch in Ordnung.
Wie weit man mit der eigenen Konfiguration kommt, zeigt der Reichweiten-Rechner: Bootsparameter eingeben, erreichbaren Bereich auf einer echten Karte sehen.